EINANDER LAUSCHEN

KAFFEEGEFLÜSTER

Während ich mittags im Café in der Sonne sitze bekomme ich am Nebentisch die Gespräche einer Herrenrunde mit. Und ich muss darüber schmunzeln, wie sehr sich die Welt gerade (im guten Sinne) verändert. Statt der häufigen Muttirunden sitzen da nun drei junge Männer, davon hat einer seine kleine Tochter dabei. Und sie überraschen mich so sehr mit ihren Gesprächsinhalten, dass ich gar nicht anders kann, als ihnen zuzuhören.

Sie unterhalten sich über bewusste Ernährung. Sie tauschen sich darüber aus, wie es ihnen gerade geht. Wie sie sich fühlen. Sie sprechen über ihre Beziehungen. Über ihre Wünsche, ihren Frust und ihre Sehnsüchte. Sie sprechen offen über Konflikte, sitzen in der Sonne und genießen die Zeit miteinander.

Ich schmunzle deswegen, weil wir häufig meinen, dass die Gespräche unter Frauen und unter Männer so viel anders verlaufen. Häufig meinen wir, dass an manchen Stellen Welten aufeinander prallen. Und in den Coachinggesprächen, die ich mit Menschen führe, sind die Missverständnisse, die in den Beziehungen zwischen Mann und Frau entstehen sehr häufig Thema.

Wie harmonisch mir aber die Welt in diesem Moment scheint. Eine Welt, die einander annimmt. Eine Welt, in der Männer und Frauen – bewusst oder unbewusst – nicht mehr gegen sich selbst oder gegeneinander kämpfen.

Letztendlich bewegt uns im Kern doch so viel Gleiches. Aus einer anderen Perspektive. Mit einem anderen Schwerpunkt vielleicht. Aber es ist eine Illusion zu meinen, dass es manchmal getrennte Welten sind. Wir sind nicht gleich. Und sind es gleichzeitig eben doch.

Würden wir einander doch mehr zuhören. Wirklich zuhören. Ohne gleich antworten oder etwas erwidern zu wollen.

Einfach zuhören. Den anderen aussprechen lassen. Und selbst, wenn ich meine, die Welt anders zu sehen, doch erst einmal zu lauschen. Die Worte ihren Weg finden lassen. Die Welt aus einer anderen Perspektive wahrnehmen.

Wir haben die Wahl, wieviele Welten wir betreten möchten. Es gibt nie nur die eine. Jeder sieht sie aus seiner Brille mit seinen Farben, Tönen und Eindrücken.

Wir müssen nicht Recht haben. Wir müssen unsere „eigene Welt“ nicht verteidigen. Wir müssen andere nicht mit (verbaler) Gewalt zu uns ziehen.

Aber wir können lauschen. Für einen Moment eintauchen. Und dann selbst entscheiden, wie weit wir diese Welten betreten möchten.

Lassen wir unsere eigenen Arroganz beiseite. Akzeptieren wir, dass es nicht nur die eine wahrgenommene Welt gibt. Dann erst kann wirkliche Kommunikation beginnen.

Aus „Kaffeegeflüster“, Februar 2019